Wo Milch und Honig fließen

 

von Grit Friedrich

 

www.villagelife.ro

 

         

 

 

Alexandra Vasiliu hat in Bukarest und Kanada studiert, sie kehrte aber nach Rumänien zurück um dort eine andere Art von Dorftourismus aufzubauen. 2010 gründete sie die Initiative Village Life. Dieser Verein will eine Entwicklung in Dorfgemeinschaften anstoßen, vor allem sanften Tourismus der von unten wachsen soll. Kleine landwirtschaftliche Betriebe sind hier genauso integriert wie lokale Handwerker oder private Museen.  Und es sollen am Alltag auf dem Lande interessierte Besucher aus dem In-und Ausland in die Dörfer gebracht werden, um dort auch zu lernen.

 

 

 

Sie können an einem Wochenende oder eine ganze Woche lang den Rhythmus des Dorflebens verstehen und darum wohnen die Touristen auch nicht im Hotel sondern bei Gastfamilien. 

70 Lei, das sind etwa 15,50 kostet eine  einfache Übernachtung mit Halbpension, ein Teil des Erlöses geht in die Entwicklung neuer Dorfprojekte. Auch im Kreis Arges, früher berühmt für die Dacia und Aro-Autofabriken, gibt es ein Dorfprojekt von Village Life. (in 11 anderen Dörfern am Karpatenrand ebenso)

 

 

 

Garten Prislop

 

Mariana Popescu

"Als Vorspeise gibt es grünem Salat mit jungen Zwiebeln und es gibt Branza, das ist ein lokaler Käse und danach geräuchertes Schweinefleisch mit Spiegeleiern. Als Dessert haben wir Erdbeeren aus dem Garten."

 

     

 

Doru Popescu

"Wir trinken  Apfelschnaps den ich selbst gebrannt habe. Denn hier in der Gegend wachsen sehr viele Obstbäume, vor allem Äpfel und Pflaumen, da gibt es viel Schnaps zu brennen und darum gibt es in jedem Dorf drei Brennkessel. "

 

 

Haus Prislop 

 

Doru Popescu und seine Frau Mariana laden zu Tisch in ihrer kleinen gemütlichen Küche. Doru ist der Dorfkoordinator von Village life in Poienita. Das Dorf liegt keine zweieinhalb Stunden mit dem Regionalzug von Bukarest entfernt und doch in einer anderen Welt. An den grünen Ausläufern der Südkarpaten sieht man viele malerische Dörfer. Wer nur mit dem Auto hindurch fährt, wird die Schönheit dieser Gegend nicht so leicht entdecken. Man muss aussteigen und sich ein wenig Zeit nehmen. Doru Popescu ist erst vor ein paar Jahren aus der Stadt wieder zurück aufs Dorf gezogen:

 

Doru Popescu

"Zwischen 2008-2011 habe ich in unserer Gegend viele verlassene Obstgärten gesehen, mit vertrockneten Bäumen, nicht gemäht, mit Disteln übersäht. Ich habe gesagt, irgendwas läuft hier falsch, und habe mich um mein eigenes Land gekümmert. Nach zwei drei Jahren sehe ich das sich viele Menschen wieder ihrem Grund und Boden zugewandt haben und das sieht man der Landschaft an."

       

 

Besuchen Touristen über Village life das Dorf Poienita, dann fahren sie auch mit Pferdewagen in ein Seitental. Ins Dorf Prislop, zu den Brüdern Emil und Mircea Arsene:

Auch sie sind Rückkehrer. Haben nach 15 Jahren Fabrikarbeit die Landwirtschaft für sich wieder entdeckt.

 

Emil Arsene 

"Unsere Familie lebt von Viehzucht, wir haben Ziegen und Schweine und etwa 200 Bienenvölker. Die Besucher waren sehr fasziniert, von den Dingen die wir hier produzieren, auch von unseren Früchten und sie haben sich auch über die Blumen gefreut. Sie haben gesagt, dass es so was bei ihnen nicht mehr geben würde. Wir spritzen keine Insektizide und auch keinen Dünger hier, es ist alles bio bei uns.. "

 

 

 

 Bergblütenhonig

 

Emil Arsene ist ein braun gebrannter Endvierziger. Jeden Tag zieht er mit seinen 70 Ziegen durch die Wälder und über die Wiesen rund um den Hof. Seine Frau Daniela hilft nicht nur bei der Käsezubereitung. Ihr Ziegenhof liegt mitten in einem verlassenen Dorf. In Prislop haben die Arsenebrüder als Kinder gelebt, heute sind sie die einzigen die hier wieder Landwirtschaft betreiben. Darum freut es sie das Village life auch diesen Sommer wieder Besucher her bringt.

 

 

  

 

 

 

Emil Arsene

 

 

Emil Arsene

"Orte wie diese werden geschätzt, genau wie unsere Produkte. Die Landschaft ist schön und sie fühlen sich sicher hier, die Besucher aus dem Ausland genauso wie wir. Der Bär kommt nur nachts, bei uns hat er noch niemanden angegriffen. Die größten Probleme haben wir mit der Sprache. Unsere Kinder sollen Englisch, Französisch und Deutsch lernen damit wir uns unterhalten können "

 

 

 

Mircea Arsene - mit Ziegenkäse aus eigener Produktion

 

 

Die Besucher können Ziegen melken, Honig schleudern oder helfen den Stall auszumisten. Wer will kann dann auch was von dem leckeren Ziegenkäse oder aromatischen Bergblütenhonig kaufen, zu Erzeugerpreisen. Doch die waldreiche hügelige Gegend um Poienita und Prislop hat noch viel mehr zu bieten als malerische Höfe und leckere Bioprodukte, erzählt Doru Popescu. Am Ende des Tages besuchen wir den letzten aktiven Töpfermeister der Gegend: Ion Enoiu.

 

 

 

Mircea Arsene melkt

 

Ion Enoiu

"Meine Töpferwaren sind bis nach Amerika gekommen. Vor allem Tassen und Teller, die größeren Stücke. Heute verkaufen wir kaum noch was, denn alle benutzen Plastikgeschirr und sagen sie wollen nicht mehr aus Keramikschüsseln essen, denn die sind ja aus Erde gemacht. "

 

 

 

Doru Popescu und Ion Enoiu (der Töpfermeister)

 

 

Die Ära der Töpfer in der  Region Arges ist wahrscheinlich vorbei: Das man wertvolle Keramiken, uralte Trachten und regionale Holzschnitzkunst in einem privaten Museum bestaunen kann ist Verdienst von Dan Dimulescu.

 

Dan Dimulescu

"Vor 47 Jahren, als ich als junger Lehrer herkam, gab es an die 500 Töpfer hier...jeder in der Familie hat mitgeholfen. Diese Stücke hier sind von Ion Enoiu, sie sind auch signiert. Ich habe all das  gesammelt um es zu erhalten. Es ist schade, wenn alles verloren geht."