Hallo Freunde,

ich möchte Euch von Dorins Grabtafel berichten.

Ein bisschen greift ja eins auch immer ins andere im Leben und so war es auch mit der Tafel.

In die Vorgeschichte – Entstehung der Tafel… seid Ihr ja alle mehr oder weniger aktiv eingebunden gewesen. Ich bin also am 20.09.2010 mit der Platte im Gepäck gen Romania gezogen und am 28.09. 2010 in Pui angekommen. Lilli geht es den Umständen entsprechend gut – naja, eigentlich ist es eine blöde Phrase, ihr geht es nicht gut, sie sah schlecht aus, hat dolle abgenommen und oft geweint und mir in der kurzen Zeit die wir zusammen waren bestimmt 5 x die vielen Dorinbilder gezeigt, die sie in ihrer Brieftasche wie ein Heiligtum mit sich herum trägt. Lilli fragte sehr oft nach Willi und war eigentlich erst beruhigt, als ein Telefonat mit ihm zustande kam.

Ich zeigte ihr und auch Tibi und Elenore die Platte und alle waren sichtlich gerührt, dass die Freunde aus Deutschland so an Dorin denken. Sie schlugen vor, die Platte zunächst an Dorins Holzkreuz zu befestigen, das provisorisch auf dem Grab steht.

Zuerst fuhr ich mit Lilli auf den Friedhof um zu schauen. Wir zündeten Kerzen an und weinten ein bißchen.

Ich schaffte Lilli zu ihrer Arbeitsstelle und machte mir einen schönen Tag hinter Horbita, wo ich per Auto das urige Tal erkundigte. Im Auto hatte ich noch Fotos aus dem letzten Jahr, die ich von einer Zigeunerfamilie im Dorf gemacht hatte. Ich war immer davon ausgegangen, dass es sich um fahrende Zigeuner handelt, aber als ich Lilli die Fotos zeigte, sagte sie mir, wo ich die Leute finden würde.

Ganz markant die Werbung am Haus.

Ich rief über den Gartenzaun und gleich erschien ein junger freundlicher Mann. Es war niemand von dem Foto, aber als ich  ihm das Bild zeigte und fragte ob er die Leute kennt, wurde mir freudig gesagt, dass es der Onkel, die Tante und die Kusine sind, die sich da so stolz  zeigen.

Die Mutter schaute aus dem Fenster und rief mir zu, ich solle mich einen Moment gedulden oder besser noch ins Haus kommen. Dann würden sie mich zu den Leuten auf den Fotos bringen. Man wäre gerade beim Essen und ich bin herzlich eingeladen.

 

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, ich wollte schon immer mal wissen wie so eine Zigeunerfamilie lebt und stürmte in das kleine Häuschen. Mutter und 3 Kinder saßen um einen großen Tisch in einem vollgestopften kleinem Raum, der als Esszimmer diente. Es war ein normales Haus, wie ich es von einfachen rumänischen Familien kenne. Auf dem Tisch standen verschiedene Töpfe und Schüsseln. Es gab kalte gekochte Kartoffeln und Speck, zum einen ausgebraten und zum anderen kalt, Suppe, Käse, Tomaten. Jeder hatte eine Gabel in der Hand und nahm sich was er wollte, ohne Umweg über Teller. Ich griff hier und da zu und stellte mich den zahlreichen Fragen der  aufgeweckten netten Jugendlichen.

Irgendwie kamen wir auf Dorin und die Platte zu sprechen und ohne dass ich richtig mein Gehirn einschaltete hörte ich mich fragen, ob sie mir nicht 2 Löcher in die Tafel machen könnten. Oh ja, das könnten sie! Ich dachte mir, na wenn das mal gut geht! Aus einer Ecke wurde die Bohrmaschine und Kabeltrommel hervor gekramt.

Und auf meine ängstliche Anfrage fand sich sogar ein Lineal.

 

Ich war trotzdem sehr beunruhigt und bereute meine Bitte um Hilfe sehr. Dorins Tafel sah ich verkratzt und durchlöchert wie einen Schweizer Käse und ich hatte keine Ahnung, wie ich das vor Lilli , aber auch vor Euch rechtfertigen könnte. Auch eine Kabeltrommel fand sich und mit Kennerblick wurde das Werkzeug auf  Funktionstüchtigkeit geprüft!

Dann wurde eine familieninterne Beratung durchgeführt, unter Ausschluss meiner Person.

               ...... und dann ging es zur Sache…..etwas unkonventionell……

Aber durchaus geschickt! Und liebevoll!

Und es gab ausreichend weibliche Aufsicht und Beratung!

Ein bisschen stolz war die Mutti schon auf ihren geschickten Sohn!

Mir fiel ein Stein vom Herzen! Alles war gut gegangen. Die Löcher waren nicht nur genau an der richtigen Stelle, sondern auch nicht zerfranst oder verrutscht! Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie solche perfekten Löcher gesehen!

        Hier ist der stolze Handwerker!

                                                                 DANKE GIGI!!!!!                                                             

Ich fragte nach dem Lohn für die perfekte Arbeit, aber ich erntete nur ein Lächeln! Das wäre ein Geschenk – schmetterte mir Gigi freundlich entgegen und schenkte mir außerdem noch zwei wunderschöne verrostete , dafür aber gerade Nägel!


Bevor wir die restlichen Familienmitglieder besuchten, musste ich unbedingt noch das riesige schwarze Schwein bewundern.

Dann war es so weit und mit dem mittleren Sohn der Familie fuhren wir zu einem kleinen Häuschen ganz in der Nähe von Lillis Domizil.

Da wohnte die fotografierte Kusine. Zuerst wurde ich neugierig und misstrauisch beäugt und gefragt, was denn das Foto kostet. Ich sagte, es ist ein Geschenk und schon schlug die Stimmung um.

Ich wurde freundlich in das kleine Küchenhäuschen gebeten und bekam einen Kaffee serviert.

Viel Zeit zum Plausch hatten wir allerdings nicht, denn es ging Richtung Hatec in das übernächste Dorf. Hier wohnte der Bruder mit seiner Familie.

Gabor ist schon eine sehr imposante Erscheinung ....

    

 

und ein toller Handwerker!

Das Werkzeug hat er selber hergestellt !

   

Jede kleine Verzierung für die kunstvoll verzierten Regenrinnen schneidet Gabor selber aus dem Zinkblech aus.

Nachdem ich die Fotos überreicht hatte wollte Gabor natürlich noch ein richtiges Familienfoto!

Und dann wurde auch ich hier ins Haus gebeten. Ich war überrascht von der pingelig sauberen Einrichtung und bunten Ausstattung des kleinen Zweizimmerhauses.

Die Unterhaltung mit Gabor drehte sich vorwiegend um die Frage, ob ich ihm nicht einen neuen Zigeunerhut aus Deutschland oder Ungarn besorgen könnte. Außerdem würde er gern ein Auto kaufen ( Limit 1000 Euro) und falls ich jemanden kenne, der in Deutschland sehr gute handgemachte Dachrinnen benötigt, könnte ich mich gern bei ihm melden. Wir sprachen auch über die bevorstehende Hochzeit des Sohnes mit der neuen Schwiegertochter , zu der ich gleich eingeladen wurde. Allerdings steht der Termin noch nicht fest.Stolz berichtete mir die Familie, dass jeder von ihnen 3 Sprachen spreche, nämlich ungarisch, rumänisch und Ziganii. Die Familienmitglieder sind sehr stolz auf ihre bunte Kleidung, die allerdings schwer zu beschaffen wäre. Die Unterhaltung, wieder bei Kaffee , war äußerst angenehm und respektvoll.

Am meisten begeistert war ich von den schönen würdevollen Frauen. Zwischen uns spann sich gleich ein Faden.

Wir tauschten Adressen und Telefonnummern aus und verabschiedeten uns herzlich. An diesem Abend war ich bei Familie Stanciu verabredet. Was ich nicht wußte war, dass Herr Stanciu an diesem Tag seinen 70. Geburtstag feierte.

Um die Zeit bis zu unserer Verabredung zu überbrücken kehrte ich in Anis Restaurant ein.

Wohl wissend, was mich bei Stancius erwartet bestellte ich im Restaurant nichts, bekam aber von Ani einen SUPERleckeren Pflaumenknödel geschenkt.

Frau Stanciu hatte tatsächlich reichlich gekocht! Und liebevoll dekoriert!

 

 

Am nächsten Morgen machte ich mich mit Lillis Onkel zum zweiten Mal auf den Weg zum Friedhof.

Für diesen besonderen Weg zog der Onkel seine besten Sachen an und vergaß auch den Hammer nicht!

Gemeinsam schlugen wir die Tafel ans Kreuz. Nachdem bisher alles so perfekt gelaufen war, sei uns eine kleine ca 3 mm Schiefheit beim Nageln ans Kreuz gegönnt!

Und ich hatte das Gefühl, dass sich Dorin über unsere Erinnerungstafel freut!

zurueck