Das weltbeste Zacusca-Rezept von Rumänien

 

von Nina May

(aus Tonciu, Bistrita-Nasaud)   

 

 


Hicks!!!!!

Bitte folgen Sie genau meinen Anweisungen, denn sonst wird das nichts.

Ich habe soeben die weltbeste Zacusca von Rumänien produziert! Wie? Ach - meine Grammatik? Nach Stunden Gluthitze in der Küche und mehreren Gängen zum hauseigenen Weinkeller hat man überhaupt keine Grammatik mehr.              

Dafür aber zehn Gläser einer absoluten Köstlichkeit, die angeblich den ganzen Winter lang hält, ohne zu schimmeln. Ich werde es leider nie feststellen, denn meine Zacusca wird stets innerhalb weniger Wochen weggeschleckert. Von Freunden und Verwandten aus Ländern, deren Starköche von so etwas Gutem noch nicht einmal träumen, aber -  jaja, ich gebs zu, auch von mir selbst. Ich bin sozusagen mein größter Ernteschädling. Denn die Zutaten der vorschnell vertilgten Winterspeise stammen alle aus eigenem Anbau. Gerne würde ich jetzt hinzufügen, aus „biologisch-dynamisch kontrolliertem” - aber die Sache mit der Kontrolle hab ich nicht ganz in den Griff bekommen. Die Coropisnitei (sprich: koropischnitzej), bis zu 15 cm lange, jahrmillionenalte, minidinosaurierähnliche Wesen mit Brustpanzer, Flügelstummeln und Grabeschaufeln mit dicken Fingern dran – in „Grzimek´s Tierleben” heißen sie ganz unromantisch „Maulwurfsgrillen” – veranstalteten diesen Sommer heiße Parties in meinem Erdreich. Dies war jedenfalls aus den sinnlos betrunkenen Exemplaren zu schließen, die in meinen Brunnen gestürzt und dort abgesoffen sind. Von Kontrolle kann also keine Rede sein, dafür aber von jeder Menge garantiert biologischer Dynamik.

 

 

Der Coropisnita (keine Angst, er gehört nicht zum Rezept!)

 

Eine Dynamik, die man hingegen bei der Zubereitung der Zacusca vermissen wird. Der gesamte Vorgang dauert über drei Stunden, wobei man die meiste Zeit mit Umrühren und Warten verbringt.  Das spannende Säubern des völlig verklebten Fleischwolfs oder der mit blutrotem Paprikasaft versauten Klamotten wurde natürlich nicht mitgerechnet. Der stressigste Part hingegen ist der Anfang: das Zusammensuchen der Zutaten. Am besten trinken Sie daher vorher wie ich ein entspannendes Gläschen Wein, und dann kann die „Operation  Küchenchaos” beginnen.

 Was brauchen wir?

 


 

Zutaten:

 

 

 

Utensilien:

 

-         Einen Gemüsewolf (das Ding heisst eigentlich Fleischwolf ... aber ich bin doch Vegetarier J)

-        

 


Einen Ofen mit Backrohr auf Holzbasis

 

-         Einen großen hohen Topf, damit nichts rausschwubbert

 

-         Einen Holzlöffel für unermüdliches Rühren

 

-         10 Gläschen mit Schraubdeckel aus Metall

 

-         Eine Reine oder ein Blech mit Rand für das abschließende Wasserbad

 

... und das wichtigste: eine Köchin, die nichts aus der Ruhe bringt...

 

 

Wer stundenlang rührt, braucht kein Yoga mehr...

 

Und so geht’s

 

Einen Viertelliter Wein in ein Glas gießen, den Ofen anschüren und schon mal die Bohnen leicht vorkochen (um Himmels Willen, nicht in dem Wein!). Inzwischen die Zwiebel und Paprika in große Stücke schnippeln und alles wegmachen, was man normalerweise nicht mitißt. Dann den Fleischwolf gut am Küchentisch festschrauben und zuerst die Zwiebeln durchdrehen, denn die müssen gleich mit ein bißchen Öl anschwitzen. Bohnen und Paprika erleiden dasselbe Schicksal: ab durch den Wolf. Weil das so brutal aussieht, nehmen wir am besten gleich einen tiefen Zug aus dem Weinglas! Störungen durch unangemeldete Besucher  kann man in diesem Stadium gut durch das Vorzeigen der vom Paprikasaft dunkelrot triefenden Hände abwenden ... sie werden sicher schreiend die Flucht ergreifen. Das Feuer im Ofen während des Verwolfens bitte nicht ausgehen lassen, denn das brauchen wir gleich - und zwar länger als uns lieb ist. Daher am besten schnell noch mal die Holzlade anfüllen und das Glas vollschenken, denn gleich bleibt keine Zeit mehr dazu. Dann wird der gewolfte Gemüsematsch mit allen übrigen Zutaten (damit wir uns nicht mißverstehen: nicht das Glas Wein! Falls überhaupt noch was drin ist...) in den großen Topf gegeben und drei Stunden lang unter kontinuierlichem Rühren dahingeköchelt. Ja, drei Stunden lang! Frustriert? Da schaffen weitere Gänge in den Weinkeller Abhilfe. Hierfür bitte den Topf auf die Nebenplatte schieben, denn es wäre schade, wenn nach so viel Mühe jetzt noch etwas anbrennt. Die Zacusca ist fertig, wenn sich das tieforange gefärbte Öl vom Gemüsebrei abtrennt und an die Oberfläche steigt. Auf keinen Fall abnehmen, denn es bildet später einen Schutzfilm gegen natürliche Zacuscafeinde wie Schimmelpilze und Bakterien. Nun kann die Zacusca noch in heissem Zustand in die Gläschen geschöpft werden. Gleich Deckel drauftun - aber noch nicht in den Keller bringen. Denn nach ein bis zwei Tagen sollten die Gläser im Backofen in einer Reine im Fußbad erneut gründlich  erhitzt werden.

 

Man kann Zacusca übrigens auch mit Auberginen oder Pilzen anreichern, die einfach mit dem Gemüsebrei mitgekocht werden. Pilze machen sich besser, wenn man sie in Stücken hinzufügt, anstatt sie durch den Wolf zu drehen. Mit etwas Rosmarin abgeschmeckt bekommt das Gemüsemus einen leicht mediteranen Touch. Von exotischen Würzexperimenten würde ich jedoch vorerst abraten, denn das stundenlange langsame Kochen verleiht der Zacusca bereits ein unverwechselbares Eigenaroma, das man kennen sollte, bevor man es kreativ abzuwandeln versucht.

 

Vermutlich haben Sie bei all dem Weinkonsum in den drei Stunden des Umrührens fleissig aus dem Topf genascht. Gut so! Denn nun ist unsere Zacusca wenigstens ein paar Tage vor Ihnen sicher - zumindest so lange der Bauch weh tut. Danach empfiehlt sich eine traditionelle Vorspeisenplatte mit roten Zwiebeln oder Frühlingszwiebeln, würzigem Schafskäse (z.B.Telemea oder Burduf), schwarzen Oliven, Tomaten, Auberginenmus und frischem Bauernbrot. Wer´s gerne tierisch mag, kann auch Pate, Speck oder deftige Wurstwaren hinzufügen. Als eilige, aber gesunde Zwischenmahlzeit eignet sich Zacusca zum Dippen mit Karottensticks. Besonderen Feinschmeckern würde ich Zacusca zu getrockneten Tomaten in Öl, eingelegtem Knoblauch und knackig-frischen Fenchelstückchen empfehlen. Und natürlich darf das landesübliche Gläschen Tuica oder Palinca (einfach oder doppelt gebrannter Pflaumenschnaps) – am besten aus hauseigener Produktion - nicht fehlen.

 


Hier noch einmal das Endprodukt zum Sattsehen

 

 

Bunter Zacusca Teller mit Telemea-Käse, Zwiebel, Senfgurken und Pfefferoni.

 

Nun wünsche ich Ihnen „spor la treaba” (gutes Gelingen) und vor allem „pofta buna” (guten Appetit)!

 

Nina May

(aus Tonciu, Bistrita-Nasaud)

ninamay.bluesphere@yahoo.de

 

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