Reisen zu (fast vergessenen) Schicksalen

 

von Sören Pichotta

 

     

 

Es ist Adventszeit, das Ende des Jahres. Zeit um Besinnung zu halten, an Vergangenes zu denken. Vielleicht ist es auch die Gelegenheit etwas in Erinnerung zu rufen, und diese Gelegenheit möchte ich gerne hier ergreifen und Menschen vorstellen, die ich 2011 und 2012 im Auftrag der Evangelischen Akademie Siebenbürgen traf, um ein Buchprojekt über Deutsche in Rumänien umzusetzen. Ziel war es die Lebenserfahrungen und Sichtweisen der noch verbliebenen älteren „Erlebnisgeneration“ zu dokumentieren, um diese nicht in Vergessenheit geraden zu lassen. Herausgekommen ist ein – für mein Dafürhalten – schönes und interessantes Buch mit dem Titel: Schicksale – Deutsche Zeitzeugen in Rumänien*

 

 

Um es vorweg zu nehmen: Es war eine der schönsten und ergreifensten Reisen meines Lebens zu über zwei Dutzend Interviewwilligen, die mir teils mit großer Leidenschaft ihre beeindruckende Lebensgeschichten erzählten. Und unvergesslich bleiben auch die Eindrücke von den Begegnungen mit einzigartig liebenswerten und eloquenten, euphorischen, aber auch traurigen und nachdenklichen Charakteren.

Die Lebenszeit der von mir aufgesuchten Rumänien-Deutschen lag in den wohl turbulentesten Perioden des letzten Jahrhunderts: Man denke nur an den letzten Weltkrieg, das Auf-und-Ab der Nachkriegszeit, die kommunistische Ära und wieder ein Auf-und-Ab von „Revolution“ und Turbokapitalismus mit mehr Freiheit, aber auch viel Verlust: Jeder der von mir besuchten Frauen und Männer verloren Familienangehörige, Nachbarn und Freunde oder Schwestern und Brüder im Glauben – diesmal nicht durch Krieg, sondern paradoxerweise durch die neue Freiheit.

 

 

Um die Leute zu treffen, musste ich mich in ihre Heimaten begeben. Gibt es den Plural von Heimat? Ich weiß es nicht. Doch hier bietet er sich hier einfach an, denn ich suchte Menschen in ihren teils wunderschönen Regionen auf, die da wären: die Bukowina, die Maramuresch, das Banat, die Dobrudscha am Schwarzen Meer, natürlich auch Siebenbürgen und Bukarest.

 

Eines hatten „meine“ Interviewwilligen gemeinsam: Stolz auf die Geschichte ihrer Vorfahren. Aber es zeigte sich auch Missverständnis über die Tatsache, dass die meisten Deutschen von den Deutschen in Rumänien nichts, aber auch gar nichts zu wissen scheinen. Insofern möchte ich dem geneigten Advents-Leser einen kleinen Streifzug durch die Geschichte(n) der Rumänien-Deutschen im Originalton vorstellen.

 

 

Eine meiner interessantesten Begegnungen hatte ich in der Maramuresch, genauer in Oberwischau/ Vişeu de Sus. Hier traf ich den rüstigen und äußerst witzigen Herrn Olear. Er war jahrelanger Vorsitzender des Demokratischen Forums, der Minderheitenvertretung der Deutschen in der Region. Er erzählte mir präzise wie ein Geschichtsbuch die Einwanderungsgeschichte der Zipser in die Maramuresch:

 

        

  Herr Olear

 

„Wir Deutschen in der Maramuresch haben weder etwas mit den Banater Schwaben noch mit den Siebenbürger Sachsen zu tun. Zu einem Teil sind wir Oberösterreicher aus dem Salzkammergut. Als man im 18. Jahrhundert im Wassertal anfing Holzschläge zu organisierten, wurden hier Waldarbeiter von dort angesiedelt.

 

 

Das Wassertal gehörte rumänischen Edelleuten und ein kleiner Teil der rumänischen Kirche. Doch die Grundbesitzer konnten den Wald nicht bewirtschaften. Da hat 1774 ein österreichischer Verwalter einen Antrag beim Finanzministerium in Wien gestellt: Kaiserliche Hoheit sollten einen Teil des Waldes abkaufen, denn dieser Wald geht zu Grunde. Wien schickte einen Abgesandten und der bestätigte, es ist wunderschöner Wald und ein Jahr später wurde der Kaufvertrag von Kaiserin Maria Theresia genehmigt.

In Jahr 1776 kamen die ersten sieben Familien von Bad Ischl und irgendwo noch her, und bereiteten die Sachen vor; 1777 zogen weitere 25 Familien nach, aber nicht aus Österreich sondern aus Deutsch-Mokra, in der heutigen Ukraine. Dort waren bereits 1775 aus genau demselben Grund 200 Familien aus Oberösterreich angesiedelt worden. Und im nächsten Jahr sind schon Waldmeister und Wegebauer hergekommen um die Dinge voranzutreiben.

  

Oberwischau Dammbauarbeiter 1910

 

 

Die Leute erhielten Privilegien um Häuser zu bauen, Grund zu erwerben oder ein Gut zu bewirtschaften. Um 1778 zogen weitere tausend Oberösterreicher zu: Flößer, Bauleute, verschiedene Fachleute. Und im Jahre 1789 kamen die ersten 28 Familien aus der Zips. Die Zips ist ein Gebiet in der heutigen Slowakakei, am Fuß der Hohen Tatra, und die Siedler kamen aus Hopgarten, Käsmark und Leutschau….. Über die ganzen Zeiten haben die Zipser hier als Waldarbeiter, als Holzfäller, als Flößer oder  auch als Baumeister für Dämme gearbeitet. Das Wasser wurde gestaut und zweimal in der Woche wurde abgelassen und das Holz wurde bis 1945 bis nach Ungarn in die Theis gerudert.“

 

Von der Maramuresch, im Nord-Westen Rumäniens, ging es quer durch durchs Land in den Süd-Osten, ans Schwarze Meer. In Konstanza/ Constanţa traf ich Herrn Fraymayer. Er war in Siebenbürgen geboren und kam als Jugendlicher in die rumänische Küstenstadt. Mit viel Leidenschaft beschäftigte er sich in seiner Freizeit mit der Geschichte der Dobrudscha-Deutschen und wusste über sie, Folgendes zu erzählen:

 

       

Herr Fraymayer  

 

 „Die Dobrudschadeutschen sind der einzige deutsche Volksstamm, der nicht in einem traditionellen Siedlungsgebiet lebte, sondern über einen Umweg, über Bessarabien, herkam. Sie wurden damals von Katharina der Großen angesiedelt und bekamen Privilegien wie Steuerfreiheit, Grund und mussten nicht zum Militär. Als diese Privilegien um 1842 entzogen wurden, wanderten sie in Dobrudscha aus. Da war viel Land und es gehörte zum Osmanischen Reich. Ihre erste Siedlung war Jakobsonsthal, eine Ortschaft neben Brâila. Die Leute sagen heute noch Satul Nemţesc – Deutsch-Dorf.

 

 

  Ev. Kirche in Cogealac - ehem. dt. Siedlung in Dobrudscha

 

Dann sind die Deutschen weiter Richtung Malcoci, Deutsch-Malkotsch. So lebten bis 1940 in der Dobrudscha um die 16.000 Deutsche. Sie wurden nach Deutschland umgesiedelt, nur 300 Leute wollten nicht. Nach Kriegsende sind die Ausgewanderten von den Russen erfasst worden, aber es sind nur wenige zurück, einige blieben im Banat oder sind wieder nach Deutschland. Hier gab es dann viele Mischehen und viele hatten nicht mehr den Mut sich zum Deutschtum zu bekennen.“

 

 

Nach einer schönen Zugfahrt durch eine einsame, flache Landschaft kam ich nach Bukarest. Als Interviewpartner fand ich mit Herrn Liebhard einen richtigen Spezialisten in Sachen Bukarest-Deutsche. Als Journalist hatte er während seiner Arbeit beim rumänischen Rundfunk intensiv die Geschichte der Deutschen in Bukarest erforscht:

                                                                                              

 

Herr Liebhardt 

 

 

„Ab 17. Jahrhundert sind die Sachen belegt und sicher hat es noch früher angefangen. Sie sind als Handwerker aus Siebenbürgen gekommen und später mit dem Aufschwung kamen sie auch aus Preußen oder der Schweiz. Das war mit der Vereinigung der Donaufürstentümer1859, da sind jede Menge deutscher Baumeister gekommen, für den Eisenbahnbau Ingenieure, aber immer auch Künstler – Musiker, Theaterleute und andere. Beispielsweise die Familie Karl Storck und seine Söhne, die haben die rumänische Bildhauerei begründet.

 

 

Grabstelle der Unternehmerfamilie Luther in Bukarest

 

Und die verschiedensten Berufe waren in deutscher Hand. Zum Beispiel auf der Calea Victoriei war ein deutsches Fotoatelier neben dem anderen. Auch der König ist ins Atelier Duschek gegangen, wenn er Paradefotos gebraucht hat. Die Apotheken, fast hundertprozentig in deutscher Hand. Die Industrie, die Brauereien, wurden mindestens zur Hälfte von Deutschen geführt. Der Erhardt Luther und seine Witwe Sophie, dass war die große Wohltäterin, in Bukarest und Konstanza. Und auf dem Etikett stand der Name Luther.“

 

Von Bukarest ging es in den äußersten Westen Rumäniens, zu den Banater Schwaben. Auch dort traf ich offene und freundliche Menschen, die mir gerne ein Interview gaben. So auch Frau von Schuster aus Temeschwar/ Timişoara, die über die Geschichte der Deutschen im Banat und über das Österreichische Kaiserreich reflektierte.

 

 

              

Frau von Schuster    

 

„Dieses österreichische Kaiserreich als riesiges Völkergemisch ist hier im Banat zusammengekommen. Im Banater Bergland gab es viel Holz, Eisen und Steinkohle, aber auch Buntmetalle. Für deren Abbau und für die Eisenherstellung haben die Österreicher Arbeitskräfte gebraucht. Diese hat man vor allem aus Böhmen, der Slowakei, der Steiermark und Tirol gebracht, meine Großeltern selbst kamen aus der Pilsner Gegend.

 

 

 Gemälde: Die Einwanderung der Schwaben in das Banat

 

Dann haben wir noch das fruchtbare Flachland und für die haben die Österreicher die Schwaben gebracht. Das waren aber nicht nur Schwaben, so wie die Siebenbürger Sachsen auch keine Sachsen sind, das sind nur Sammelnamen. Die erste große Einwanderungswelle war unter Kaiser Karl IV, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der sogenannte erste große Schwabenzug, unter der Nachfolgerin Kaiserin Maria Theresia der zweite und größte Schwabenzug und Ende des 18. Jahrhunderts unter Kaiser Josef II. der dritte Schwabenzug. Die Herkunftsprovinzen der Siedler waren vorwiegend das Elsass, Lothringen, die Pfalz, Bayern, Tirol und die Steiermark. Gleichzeitig wanderten auch Italiener, Franzosen und Tschechen und Slowaken ein.“

 

Vom Banat führte mich mein Weg in das Innere Rumäniens, nach Siebenbürgen. Die hier anzutreffenden Siebenbürger Sachsen sind die älteste im heutigen Rumänien lebende deutsche Minderheit. Als dessen Vertreter konnte ich Herrn Rehner, einen evangelisch-lutherischen Pfarrer i.R., als Gesprächspartner gewinnen. In Hermannstadt/ Sibiu erzählte er mir nicht die Siedlungsgeschichte sondern über ein Ereignis, dessen unmittelbarer Zeuge er wurde. Denn als 1990 in Rumänien die revolutionären Wellen hochschlugen, bekam er - und nicht nur er- unerwarteten Besuch:

 

 

              

 Herr Pfr. i. R. Rehner  

 

 

Ich war Stadtpfarrer in Hermannstadt und am 16. Januar 1990 kam der deutsche Außenminister Genscher hier her, sein Besuch galt hauptsächlich der deutschen Minderheit. Der Außenminister traf sich im Bischofspalais mit Bischof Albert Klein und den Vertretern des Deutschen Forums und der Bischof hatte mich beauftragt, ich solle kirchlicherseits an Genschers Seite sein….

 

….Es gibt sicherlich deutsche Politiker, die keine Ahnung von uns haben, aber Genscher war ein guter Politiker und wir haben uns von ihm verstanden gefühlt. Er kannte auch unsere Haltung und wusste über die Situation bescheid, dass das Volk wie verrückt Pässe verlangte. Viele Sachsen kamen nach Hermannstadt und haben demonstriert gegen die Haltung der deutschen Regierung, die ihrer Meinung nach, nicht die Möglichkeiten schaffte, um schnell auszureisen.

 

 

 Pfarrer Rehner während den Revolutionstagen 1989

 

Die Sache war so: Zwischen dem 22. Dezember ´89 und dem 1. Januar ´90 waren die Grenzen nicht bewacht. Dann hatte sich der Staat irgendwie konstituiert und wieder Kontrollen eingeführt. Doch die Sachsen wollten raus und stellten Passanträge. Die Passämter arbeiteten mit Hochdruck, aber sie kamen nicht nach. Dort standen endlose Schlangen von Siebenbürger Sachsen, die nur sagten: Wir wollen nach Deutschland. Es war wie eine Psychose.

 

Genscher entschied: Er wird zum Volk reden, aber es muss ein geschlossener Raum sein. So stellte ich ihm die Kirche zur Verfügung. Er sagte: Lassen Sie am Anfang einen Choral singen und sprechen sie ein Gebet, dann werde ich auf die Kanzel gehen und eine Rede halten. Ich schaute ihn an, und sagte: Sie sind liberal. Ja, sagte er, aber wir halten zur Kirche. Dann hat er vielleicht eine halbe Stunde geredet, ganz frei.

 

Meine Tour führte mich auch in die liebliche Bukowina, zu einer fast neunzigjährigen Bukowina-Deutschen. Die Dame aus Itzkany/Iţcani, mit feinstem Deutsch, guten Humor und beeindruckender geistiger Frische, erzählte mir über die jetzige Situation der evangelischen Deutschen Folgendes: 

 

 

                 

   Frau Vansurec 

                

 „Wir sind hier in der Diaspora. Vor 20 Jahren waren wir vielleicht noch 20 evangelische Christen, aber die Alten sterben weg. Die jetzigen sind alle in meinem Alter oder zehn oder  fünfzehn Jahre jünger als ich und die Jungen kommen nicht mehr nach. In Pojorâta sind wir noch zwei evangelische Seelen geblieben. Mit den anderen waren wir zuletzt fünf, mit dem Pfarrer sechs und mit dem Herrn Jesus Christus sieben Seelen. Aber wir haben uns hervorragend gefühlt……

 

 

 

 Eingangsportal zur Ev. Kirche Pojorata - Bukowina

 

 

…..Bis 1940 war es sehr schön; überall in der Bukowina, in jedem Dorf auch in den Städten in Suceava, in Radautz, in Dorna. Der rumänische Dichter Mihai Emenescu hat der Bukowina ein Gedicht gewidmet: Dulce Bucovina – süße Bukowina, vesele gradina – fröhlicher Garten… Es war viel Frohsinn hier, es war kein Hass unter diesen Nationalitäten.

Es war diese österreichische Atmosphäre, es wurde gegrüßt: „Küss die Hand“, nicht „Guten Tag“, wie die Deutschen sagen.“

  

 

Da ich bei dem Interviews keinen gesonderten Schwerpunkt auf Weihnachten, aber der Anlass des Adventskalenders darauf abzielt, hier noch einige zufällige Kurzzitate, was den Befragten zum Fest einfiel.  

 

Herr Stefani aus Fogarasch/Fagaraş (Siebenbürgen)

 „Jeder Hof hatte ein-zwei Schweine und die wurden vom Hausvater meistens Weihnachten

geschlachtet. Daraus hat man Speck und Wurst, Leberwurst und allerhand gemacht. Das wurde geräuchert und damit es sich hielt, hat man es auf dem Aufboden gehängt und trocken aufbewahrt…

 

... dass ein sächsisches Kind konfirmiert wird, ist selten noch der Fall. Sie sind eben nicht mehr da, sondern nur noch rumänische, eventuell ungarische und sogar Zigeunerkinder. Die, die schon während der Schulzeit in der Kirche aktiv sind, bleiben es nach der Konfirmation auch. Sie spielen dann zu Weihnachten das Krippenspiel in deutscher Sprache oder singen in den Chören.“

 

 

Frau Andrâşescu aus Benzenz/ Aurel Vlaicu (Siebenbürgen)

 

Weihnachten….wurde normal gefeiert, so richtig mit Weihnachtsbaum und Christkindl. In der Kirche wurden Gedichte gesagt. Die Steppkes mussten schon sagen: Liebes Christkindlein komm, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.

 

 

Herr Liebhard aus Bukarest

„Wir sind ja tatsächlich zu einer Menge Veranstaltungen bei den jeweiligen Kirchen gegangen: zum Auferstehungsfest auf den Metropolie-Berg, denn die orthodoxe Auferstehung war die schönste. Große Kirchenkonzerte hat es bei den Katholiken in der Sankt-Josephs-Kathedrale gegeben und Weihnachten ist man in die lutherische Kirche, da gab es den schönsten Weihnachtsbaum – das ist Bukarest.“

 

Herr Gohn aus Zeiden/ Codlea (Siebenbürgen)

 

„Es kommen immer nur dieselben in die Kirche. Die meisten kommen nur Weihnachten, da ist die Kirche voll.“

 

 

Frau Vasile – Hatzfeld/ Jimbolia (Banat) über Weihnachten während der Deportation in der SU:

 

„Gottesdienst durften wir nicht feiern und auch Weihnachten nicht.“

 

Frau Stoica – Bukarest

 

„Wir haben so ein schönes Weihnachten mit Christbaum und Kuchen gefeiert, deshalb kamen zu uns die rumänischen Nachbarn. Sie haben sich bei meiner Mutter abgeschaut, wie man diese Weihnachtsspeisen, Braten mit Soße, zubereitet, das kannten die Rumänen nicht.“

 

 

Frau Muresan – Bistritz/ Bistriţa (Nord-Siebenbürgen) über ein Fluchterlebnis als Kind

 

„In Thorn wurden wir in ein großes Flüchtlingslager gebracht, wo das Essen schlecht war und ich Gelbsucht bekam. Weihnachten haben unsere Sächsinnen ihre Trachten angezogen, einen Chor gemacht und unsere schönen Lieder gesungen. Die Deutschen dort waren ganz erstaunt, so etwas hatten sie noch nicht erlebt.“

 

Herr Fraymayer – Konstanza/ Constanţa - über Weihnachten in Siebenbürgen

 

„Jeder, der etwas auf sich hielt, hatte ein oder zwei Schweine, die Weihnachten geschlachtet wurden: Würste, Schinken und der berühmte Speck wurden draus gemacht; geräuchert, gesalzen und mit Paprika versehen und ein Stück blieb ungeräuchert zum Kochen.“

 

Herr Olear – Oberwischau/ Vişeu de Sus (Maramuresch)

 

„Wir haben unsere Traditionen behalten. Es gibt zu Weihnachten ein Theaterspiel, das heißt: Der große Herodes. Es wird von 18 Darstellern präsentiert, alles Burschen, nur die Heilige Maria ist eine Frau. Das Stück wurde aus der Zips mitgebracht und zum ersten Mal 1816 in Oberwischau organisiert. In derselben Art wird es heute noch aufgeführt und die Kirche ist voll. Bei uns

heißt es: Ohne Herodes kein Weihnachten. Außerdem gibt es noch kleine Krippenspiele, zum Beispiel Die drei Weisen aus dem Morgenlande. Ein anderer Brauch ist das Weihnachtssingen. Jede Familie schlachtet ein Schwein und es wird Mettenwurst gemacht und die wird nach der Christmette um 24 Uhr mit gewickeltem Kraut gegessen. Dann kommen Freunde  Weihnachtslieder singen und der Gastgeber lädt die Leute ein zu Wurst, Wein und Schnaps. Später geht man gemeinsam zu anderen Freunden und immer wird gesungen Heilige Nacht oder die anderen schönen Weihnachtslieder. Zum Neujahr gehen die Erwachsenen und Kinder aus und tragen Gedichte vor und die Kinder bekommen ein Geschenk oder ein wenig Geld. …und bei uns gab es eine Festtracht, die man nur zu Ostern und zu Weihnachten getragen hat.“

 

 

 

 

 

 

Das Buch kann über den Schillerverlag bestellt werden:

* „Schicksale – Deutsche Zeitzeugen in Rumänien – Lebensmut trotz Krieg, Deportation und Exodus“ von Sören Pichotta Schillerverlag Hermannstadt – Bonn  oder HIER