Weihnachtliches Nussbach 

von © Ingeborg Szöllösi

Ein Tannenbaum mit roten kleinen Äpfeln, mit ganz vielen Honigplätzchen – Sternchen, Herzchen, Kleeblätter ... Ja, und die Nüsse – unzählige Nüsse hingen auf jedem Ast! Ein Bäumchen im Stübchen – von der Großmutter geschmückt.

 

Es gab keine Weihnacht in meiner Kindheit, die ich nicht in Nußbach verbracht hätte. Und, als ich sie dann in Klausenburg verbrachte, war alles anders: Ich war älter geworden und schmückte den großen Weihnachtsbaum selbst.

In Nußbach aber, wahrlich ich sage euch, da gab es das Christkind! Ihr könnt es mir wirklich glauben: Es wurde nicht müde, jedes Jahr zu kommen und ein Bäumchen zu schmücken. Immer ein Bäumchen, keinen Baum! Und stellt euch vor: Das Christkind verschwand nicht, nein, nein, es blieb und wartete geduldig, bis wir aus dem Weihnachtsgottesdienst kamen: mein ernster Großvater, meine elegante Mutter und ich mit der Riesentüte voller Plätzchen, Nüsse, Äpfel und dem traditionellen bunt bemalten Weihnachtsstern unterm Arm. Jedes Kind bekam ein Päckchen, nachdem es artig sein Gedicht aufgesagt hatte.

Und ich gehörte auch zu den artigen Kindern. Nur ein einziges Mal musste ich von den Kinderbänken zu den Bänken der Erwachsenen huschen, um meine Mutter ganz leise zu fragen: „Du, Mutti, wie fängt mein Gedicht an? Ich habe es vergessen.“ – Sie flüsterte mir dann die erste Zeile zu und schon wusste ich, wie's weiterging. Ich trug es gewiss mit kindlichem Ernst vor, so wie ich alles, was in der großen Nußbächer Kirche geschah, recht ernst nahm.

Nußbachs festliche Zeiten erfüllten mich stets mit Tief-, aber auch mit Frohsinn. Und wenn wir dann aus der Kirche kamen, da lag immer Schnee – tiefer Schnee – auf dem Kirchhang, den wir hinunterstapfen mussten, um zu unserem Haus zu gelangen. Es befand sich leider viel zu nahe, gleich am Fuße des Hanges, neben dem Bach, dem Nußbach: Man hätte noch lange, lange gehen mögen, um die winterliche Landschaft und die weihnachtliche Vorfreude zu genießen. Doch wir waren recht bald in unserem Heim. Schon aus dem Hof sahen wir das Bäumchen im warmen Stübchen, in Kerzenschein gehüllt. Sonst glitzerte und funkelte nichts als der Schnee. Drinnen roch es nach Plätzchen, Bratäpfel und Holz. Und siehe da, plötzlich stand das Christkind vor uns im Schein der vielen Kerzen: meine Großmutter.

Wie gut, dass wir doch keinen Spaziergang durch die winterliche Landschaft gemacht hatten! Das emsige Christkind wartete schon so sehnsüchtig auf uns drei: meinen Großvater, den Geschichtenerzähler, meine Mutter, die Flötenspielerin und mich, die leidenschaftliche Äpfel- und Plätzchenesserin.

 

Ein Weihnachtslied – das Lieblingslied meiner Mutter „Es ist ein Ros entsprungen“ – stimmte mein Großvater an und wir sangen alle mit, meine Mutter begleitete uns manchmal auf ihrer Flöte. Dann erzählte uns mein Großvater eine Geschichte: Es waren nicht immer erfundene Geschichten oder gar Märchen, er erzählte sehr oft von Ereignissen, die ganz Nußbach, Land und Leute betrafen. Wie gut er beobachten konnte, mein Großvater mit seinen verschmitzten Augen!

Ja, die Geschenke ... Ich kann mich an die Geschenke gar nicht mehr erinnern: Natürlich bekam ich wohl mal ein Kinderbuch, mal ein Spielzeug, mal eine Schokolade aus Deutschland ...

Sie verblassten jedoch im Laufe der Jahre, nicht aber die Winterabende, die Sommerabende, die Wintertage, die Sommertage und all das, was in meinem „Nussa“ geschah. Denn all das war das Geschenk, das große, an das ich mich erinnere. Immer wieder, immer tiefer – in Tag- und Nachtträumen!