Prisacina - Prisacina

Ein Bericht von Wilhelm Scherz /  www.karpatenwilli.com

Es ist der 29. Oktober 2014 ... Noch vor einigen Tagen befanden sich Hans-Ulrich Schwerendt und meine Wenigkeit auf den Höhen der Muntii Mehedinti (links im Bild). Eine riesige wetterbedingte Depression legte sich über Bulgarien, Serbien und eben auch über die südlichen Ausläufer der Südkarpaten, während wir in einer geologischen Depression bei Grovul Medved unsere Zelte aufgeschlagen hatten. Riesige Regenmengen ergossen sich dort über zwei Tage, was bei uns beinahe eine seelische Depression ausgelöst hätte. Es war wie die "Dreifaltigkeit der Depression": Mutter Erde, Vater Himmel und menschliches Hirn! Am Ende blieb es aber bei den zwei Regentagen, den folgenden Tags herrschte nur noch dichter Nebel und wir entschlossen uns, die Tour etwas zu modifizieren, ohne auf das Wesentliche verzichten zu müssen. Aber das alles ist schon wieder eine ganz andere Geschichte. Jetzt und hier sitzen wir gerade auf einer felsigen Bergkuppe über 1000 Meter westlich des oberen Abschnittes der Cheile Prisacina, sowie südöstlich des Dorfes Prisacina ... und der Leser ahnt schon: Genau darum geht es!

Nachdem wir zunächst aus den Muntii Mehedinti ins Cerna-Tal abgestiegen sind, quartierten wir uns für drei Nächte im Motel Dumbrava ein. Natürlich nutzten wir die Gelegenheit für Ausflüge mit kleinem Gepäck, mitunter auch für eine erste Begehung des unteren Abschnitts der Cheile Prisacinei. Vom Motel Dumbrava aus geht man zunächst ca. 2 km talhochwärts. Über eine Holzbrücke gelangt man dann auf die andere Seite des Flusses. Hier beginnt die Markierung "gelber Punkt". Ein schmaler Fußpfad folgt weiter dem Verlauf der Cerna und nach ca. 2 km gelangt man zum unteren Zugang der Cheile Prisacina. ... Hier führt die Markierung "gelber Punkt" direkt bergauf zu den östlichen Bergflanken der Cheile Prisacina, sowie zur Streusiedlung Inelet. Eine Markierung "gelbes Band" hingegen führt direkt in die Schlucht. Wohl wissend was uns erwartet, hatten wir natürlich unsere Watlatschen im Gepäck, welche schon gleich zu Beginn ein erstes Mal zum Einsatz kamen. ... 
Der untere Abschnitt der Schlucht ist durch ein enges Tal begrenzt, welches häufig nicht breiter als das Bachbett der Prisacina ist. Zu beiden Seiten steigen senkrechte Felswände empor, doch die Mächtigkeit erahnend ... davon waren wir noch weit entfernt. 
Das erste unüberwindbare Hindernis ist diese Talenge mit seinen steilen Felsflanken. Linksseits erblickten wir die erste Konstruktion einer jener Wassermühlen, welche dafür gedacht sind, einen Stromgenerator anzutreiben. 
Hans bereitet sich vor, für die nun schon vierte Furt ... So wie er zuvor mich mit der Kamera beim furten begleitete - in der Hoffnung ein mögliches Vollbad nicht zu verpassen, stand ich nun ebenfalls bereit, Gleiches zu dokumentieren :-) ... Man sieht, wir sind ein sehr gutes Team! 
Durch die starken Regenfälle, welche noch vor drei Tagen auch an den südöstlichen Hängen des Cerna-Gebirges niedergingen, wurde diese erste Wassermühle vom Hochwasser zerstört. Den Stromgenerator fanden wir ganz in der Nähe in einer Felsnische. ...
Für alle Technik-Interessierten hier ein Blick auf das Typenschild des aus rumänischer Produktion stammenden Generators. 
Nahe der ersten Mühle mussten wir das Tal über einen steil aufsteigenden Schotterhang umgehen, von dem aus sich ein erster Blick auf die steilen Felswände der Cheile Prisacina ergibt. Hier befinden wir uns ca. 150 m über dem Talgrund. Die Markierung "gelbes Band" scheint hier durch eine bewaldete Nische weiter steil aufzusteigen. Genau wissen wir es am Ende nicht, denn irgendwann endeten die Markierungen ... Nichts desto trotz war die Zeit vorangeschritten und so entschlossen wir uns, weiter bergan zu steigen ... 
... Auf einem hohen Felsvorsprung bekamen wir einen Überblick von den riesigen Dimensionen der Cheile Prisacina. Dieses, sowie das nächste Foto sind AutoStitch-Aufnahmen vom Smartphone, d.h. Serienbildaufnahmen über mehrere Ebenen, welche die entsprechende App selbst zusammensetzt. Die Qualität genügt zwar keinen fotografischen Ansprüchen, aber sie verdeutlicht die überwältigende Topografie. ... Hier der Blick auf den unteren Zugang der Schlucht ...
... und hier der obere Abschnitt des - so wir erst später feststellten - unteren Drittels der Cheile Prisacinei. Soviel können wir aber jetzt schon sagen, diese Schlucht ist mit Abstand die grösste im gesamten Verlauf des Cerna-Tales! 
Blick ins Detail: Auch hier finden wir an noch so steilen Hanglagen die Banater Schwarzkiefer (Pinus nigra var. Banatica).
Im Hintergrund erheben sich die Muntii Mehedinti, quer verlaufend das Cerna-Tal und im Vordergrund der Beginn der Cheile Prisacina. Während die Muntii Mehedinti zum Cerna-Tal hin großteils durch senkrechte Felswände geprägt sind, offenbart sich auf der gegenüber liegenden Seite des Cerna-Tales ein ganz anderes Bild. Häufig findet man eine sehr zerklüftete Topografie vor. Ein Grund liegt sicher darin, dass das Cerna-Gebirge von verschiedenen parallel vom Hauptkamm zum Cerna-Tal verlaufenden Bergzügen mit unterschiedlichen Gesteinsschichten geprägt ist. Beginnend im Nordosten bei Vf. Dobrii, bis zum Beginn des Iuta-Tales ist kristallines Gestein vorherrschend. Ab dem Iuta-Tal bis hinunter nach Baile Herculane prägt Kalklstein das Landschaftsbild. In diesem Abschnitt sind die vom Hauptkamm zur Cerna abgehenden Gebirgszüge häufig unterbrochen von quer verlaufenden Kalkabbrüchen in Folge schwerer tektonischer Verschiebungen. Zahlreiche Schluchten und Steiltäler zweigen hier ab ... wie auch "unsere" Cheile Prisacina"!

Wer z.B. ein erstes Mal vom Motel Dumbrava zum hoch gelegenen Zugang der Cheile Tesnei geht und von dort aus wachen Auges auf die gegenüber liegende Landschaft des Cerna-Gebirges schaut, dem offenbaren sich auf Anhieb zwei Faktoren die "Lust auf mehr" machen: 1. jene wild verschachtelte Karstlandschaft und 2. die nicht zu übersehenden weit verstreut liegenden Höfe der hier lebenden Bergbauern. Mitunter befindet sich über einer steilen Felswand - gleich einem Adlerhorst - eine kleine Wiese, kleine Äcker und ein bescheidenes Gehöft. All diese weit verstreuten Höfe dort haben keinen Stromanschluss und so kamen irgendwann die Bauern auf die Idee, in den oft tief gelegenen Schluchten kleine Wassermühlen anzulegen um damit Elektrogeneratoren anzutreiben. Über teils abenteuerliche Strecken verlaufen die Stromkabel oft Kilometer-weit bis hinauf zu den Höhen der Berge, auf denen sich die Höfe befinden. ... Neugierig geworden? ... Ja gut, aber das ist auch schon wieder eine ganz andere Geschichte! 

Tiefe Einsicht! ... Schliesslich gingen wir über traumhafte Bergpfade zurück ins Cerna-Tal ... aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte. 
Sat Prisacina ... Wer in Rumänien schon einmal eines dieser abgelegenen Streudörfer innerhalb der Karpaten besucht hat, der weiß um die Herzlichkeit der dort lebenden Menschen, ihrer Bauernschläue, sowie der Schönheit dieser für Europa teils einmaligen Kulturlandschaft. Hier einfach so "Guten Tag" zu sagen und weiterzugehen, das ist gleichzusetzen wie "nie hier gewesen zu sein"! Aber wie stellt man es an "hier zu bleiben"? Ganz einfach, man kauft etwas, das die Bauern hier zur Genüge besitzen und produzieren ... In unserem ganz speziellen Fall trafen wir auf zwei Familien, die gerade auf einem Acker mit der Maisernte beschäftigt waren. Wir tauschten uns aus über das Wetter, das Leben hier UND fragten nach, ob uns hier jemand Speck verkaufen könnte. Sofort wurde uns "Patronita Maria" empfohlen, welche gleich oberhalb des Maisackers ihr Anwesen hat.  Eine halbe Stunde später stellten wir schon unsere Zelte hinter Marias Hof auf :-) ...! Zwei Nächte - so unser Plan, wollten wir unbedingt in Prisacina bleiben,  war doch ein ganzer Tag zur Begehung des oberen Abschnittes der Cheile Prisacina geplant. ... Nach dem Zeltaufbau war es noch noch früher Nachmittag und so entschlossen wir uns für eine Tour mit kleinem Gepäck hinauf zum Vf. Cusmita, sowie zur Piatra Galbene (siehe Bildhintergrund li. oben).
Blick von Piatra Galbene auf das Streudorf Prisacina. Der kleine Ort befindet sich auf einer Höhe zwischen 750-900 Meter und ist am weitesten vom Cerna-Tal entfernt. Laut Angabe der Einheimischen, leben und wirtschaften hier noch 7 Familien. Neben Prisacina gibt es hier noch weitere Streudörfer ... aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte. ...
Als wir am Abend von Piatra Galbene absteigen, kommen wir an dem Hof von Elena vorbei und werden spontan in ihr Haus auf einen Kessel Tuica fiert (heiße Tuica) eingeladen. Es war äußerst unterhaltsam und wir plauderten bis in die Dunkelheit hinein. Schliesslich begleitete uns Elena zur "Patronita" Maria, welche schon mit der Taschenlampe umherlief und sich Sorgen um uns machte. ... Zum Abendbrot bereitete Maria uns dann Mamaliga! Elena und Maria sind übrigens Schwestern. 
Nächster Tag: Wir folgten dem Weg mit der Markierung "roter Punkt" zunächst in Richtung Inelet. Nach dem letzten Hof kamen wir an einer "Strommühle" vorbei. Insgesamt gibt es hier in und um Prisacina 8 Strommühlen und 2 Kornmühlen. ... 
Der Waldweg in Richtung Inelet. Auch hier fanden wir wieder neu angebrachte Markierungen. In beiden Gebirgen (Mehedinti und Cerna) fanden wir - für rumänische Verhältnisse - sehr gut markierte Wandertrassen vor. Nur Wandermarkierungen mit dem "blauen Dreieck" können unsere rumänischen Freunde nicht konsequent anlegen ... :-) ... aber das ist auch schon wieder eine ganz andere Geschichte! Speziell mit der Markierung "roter Punkt" hat es aber eine besondere Bewandtnis, denn diese Markierung verdanken wir der Initiative einer groß angelegten Marathon-Strecke (Hercules Maraton). Da ich selbst in meiner Jugend mal eine Zeit lang Marathon-Läufe mitgemacht habe, weiß ich um die "Extraklasse" dieser anspruchsvollen Strecke: http://www.alternativetm.ro/en/herculesmaraton ... Ca. 3 km talwärts, dem Prisacina-Bach folgend, kommt man an eine kleine Kornmühle vorbei, welche aber nicht mehr in Funktion ist. Wenig später steigt der Weg nach Inelet allmählich bergan. Hier muss man, um in den oberen Zugang der Cheile Prisacina zu gelangen, den Weg verlassen und den Bach zum rechten Ufer hin überqueren. Wenig später gelangt man an eine Passage, die zumindest bei viel Wasser nicht zu begehen ist. Hier stiegen wir rechts hinauf auf eine Anhöhe ...
Ein erster Ausblick auf den oberen Abschnitt der Cheile Prisacina. Hier ist das Gelände nicht so schroff wie im unteren Abschnitt. Dennoch wer meint, hier gemächlich durch´s Gelände streifen zu können, der irrt. Die grossteils bewaldeten Abhänge sind dennoch geprägt von versteckt liegenden Felsbarrieren und Schottergestein. Wir hatten alle Mühe von hier wieder herunter in die Schlucht zu gelangen, aber Dank unseres treuen Begleiters "Friedolin" gelang es dann doch ganz gut. 
Der Blick von der großen Felsbarriere lässt tief im Tal ein Haus erkennen. Für eine Wassermühle ist es zu groß. Wir steigen also wieder ab ...
... wo uns Friedolin schon in aller Ruhe an diesem Waschtrog erwartet. Hans steht zum fotografischen Grössenvergleich Pate ... Diese Strudeltröge, welche man in ganz Rumänien, vorrangig in großer Zahl aber in der Maramures vorfindet, werden in der Hauptsache zum Reinigen der aus Schafwolle gefertigten Teppiche und Decken benutzt. Einfach reingeworfen und ein paar Stunden trudeln lassen und Mutter Natur hat ihre Arbeit erledigt! Ein String-Tanga freilich würde hier keiner "Ortstreue" Stand halten :-) ! 
Das geheimnisvolle Haus in der Cheile Prisancina ist voll intakt und wird wohl auch saisonal noch genutzt. Es ist das einzige seiner Art in der gesamten Schlucht. Alle anderen Höfe befinden sich all samt auf den Anhöhen über der Schlucht. 
Auf dem weiteren Weg furteten wir wenig später Prisacina-Bach nach rechts und gelangten zu zwei weiteren Mühlen: dieser Kornmühle (im Bild), sowie einer daneben befindlichen Strommühle. Neben der Tür der Kornmühle findet man in Holz eingeritzt: "Dieser Ort hat den Namen Groapa". ...
Das Mühlrad der Wassermühle bei "Groapa" verrät, dass hier schon einige Zeit kein Maiskorn gemahlen wurde. Auch der Wasserzulauf der nebst befindlichen Strommühle ist gesperrt. Das Stromkabel dieser Mühle führt durch den Wald steil bergan gen Nord. Hier stoßen wir übrigens ganz unerwartet auf eine Markierung -gelbes Band-, welche ebenfalls den Berg hinaufführt und sich erneut im Nichts verliert. Dennoch steigen wir hier weiter bergauf und sehen, dass ein umgestürzter Baum das Elektrokabel zerstört hat. ... Wir waren zu jenem Zeitpunkt davon überzeugt, dass wir bis hier die zweite Hälfte der Schlucht gesehen und begangen hätten. Nun aber stiegen wir weiter bergan, um mitunter den felsigen Gipfel des riesigen aufsteigenden Felsbandes zu begehen, welches wir vom oberen Aussichtspunkt rechtsseits der Schlucht erblickt hatten. ...
... Auf einer ersten kleinen Wiese über der Schlucht machten wir eine Rast und erblickten durch´s Teleobjektiv weit oben auf den höheren Berglagen  die "Frostgrenze", welche sich auf geschätzte 1200 Meter befand. Der Leser wird sich nun fragen, warum gehen die zwei "Karpatengalopper" Willi und Hans noch Ende Oktober in Gebirgslagen zwischen 1000-1500 Meter, wo doch an sich schon häufig mit Wintereinbrüchen zu rechnen ist? Im Grunde ist es auch so, bereits während unseres Aufenthaltes im Motel Dumbrava sahen wir im rumänischen TV, dass es in Bukarest grosse Schneefälle gegeben hat. Und auch unser Freund Gerd Ballas http://www.brebu-nou.de/ , welcher ein glückliches Leben in banater Brebu Nou führt, postete über´s Web: Wintereinbruch im Semenic-Gebirge! Und wir mittendrin und dennoch entspannt. 

Der Grund für unsere Gelassenheit sind die klimatischen Bedingungen in und um Baile Herculane, sowie im unteren Teil der Valea Cerna. Hier herrscht ein gemäßigtes Binnenklima vor, welches wesentlich beeinflusst wird durch warme Luftströmungen aus dem Mittelmeerraum. Die Ausrichtung des Cerna-Tals beeinflusst den Verlauf dieser warmen Strömungen zusätzlich. Aber da wir schon beim Wetter sind: Die Bergbauern hier erzählten uns, dass es über das gesamte bisherige Jahr 2014 sehr viel geregnet hat und zu unserem Erstaunen sahen wir auf den hohen Kammverläufen des Cerna-Gebirges noch leuchtend grüne Hochweideflächen, welche in der Regel schon im August eine vollständige Braunfärbung aufzuweisen haben. Das man das Wetter zusätzlich beeinflussen kann - in Form einer "Pomana"-, das wissen und befolgen die ganz eingefleischten Rumänienfreunde mittlerweile ganz gut. Und so lautete die Bilanz nach unserer "Pomana" in Manastirea Maicii Domnului in Baile Herculane: Nur 2 Regentage in 3 Wochen! :-) ... 

Derweil stiegen wir weiter bergan, auf die westlichen Höhen der Cheile Prisacina und gelangten zu einen isoliert gelegenen Hof. Auf dem neuen Nummernschild des Hauses stand "SAT Cracu Teiului, Nr. 273". Hier gibt es nur noch drei bewirtschaftete Höfe. All diese, wie die meisten Höfe dieser Streudörfer sind nicht einmal mit einem Pferdewagen erreichbar. Nur schmale Fußpfade verbinden diese Höfe mit einem etwas breiteren Pfad, dem die Markierung "roter Punkt" folgt. Man kann sich kaum vorstellen, wie diese Höfe einst erbaut wurden. Freilich, das Holz stammt aus der nahen Gegend und auch Lehmziegel haben sich die Leute vor Ort gefertigt, aber ansonsten wurde vom Dachstein bis zum Fenster alles per Lastvieh hinauftransportiert.  
Die Kommunikationszentrale von Haus Nr. 273! So verständigt man sich mit den "Nachbarn" gegenüber der Schlucht und verjagt damit gelegentlich auch Bären, welche hier von Zeit zu Zeit herumstreunern. Ein alter Bauer des Hauses schenkte uns leckere Weintrauben und so setzten wir den Weg fort,  um einen nahe gelegenen Fels zu besteigen. ... 
Ausblicke südlich der Cheile Prisacina auf das ferne Cerna-Tal. Ganz links im Bild sieht man die Felsflanken der nahen Cheile Drastanic, welche sich nur wenige Meter unterhalb der Cheile Prisacina befindet. 
Wir folgten dem Bergkamm weiter Richtung Sat Prisacina und genossen das Farbenspiel, welches uns Mutter Natur im Sonnenschein bot. Die Höhen der Muntii Mehedinti sind derweil noch immer von Wolken umhüllt! 
Geballte Frauenpower! Als wir am Abend wieder bei unserer Patronita Maria (li. imBild) einkehrten, hatte diese schon fleissig für uns das Abendbrot vorbereitet. Auch ihre Schwester Elena (re. im Bild) und deren Tochter Maria (2. von re.) kamen auf Besuch. Die Kartoffelsuppe mit der darin eingerührten Branza war ein absoluter kulinarischer Hochgenuss für uns!!! 
"Das machen hier alle Frauen im Dorf" ... erzählte uns Crina (Tochter von Patronita Maria / 2. von links im vorherigen Bild), während wir ihre farbenfrohen Sockensortimente anschauten. Da der Hauptwanderweg "rotes Band" ja direkt am Haus von Maria und Crina vorbeiführt, empfahlen wir Crina, einfach mal ein Verkaufsplakat am Zaun anzubringen. Aber wohl wissend um die Bescheidenheit dieser fleissigen Frauen möchten wir künftige Besucher dieser Gegend einfach darauf hinweisen. Und wer ein schönes Souvenir aus dieser Gegend ergattern möchte, der klopfe bei Maria und Crina einfach mal an (Nr. 359). Foto ausdrucken, vorzeigen und dazu den Zeigefinger am Daumen reiben ... so kann man sich notfalls auch ohne Rumänisch-Kenntnisse verständigen :-) ! 
30.10.2014 ... wir zogen um mit Sack und Pack. Ein Zeltplatz war längst ausgemacht, wohl wissend, dass es dort unmittelbar kein Wasser gibt. Deswegen hielten wir nahe unseres Platzes an diesem Bauernhof und erkundigten uns nach dem begehrten Nass. Ja klar, wir können gerne vorbeikommen und uns Wasser holen. Der Hof befindet sich in traumhafter Lage unmittelbar über den östlichen Steilflanken der Cheile Prisacina. Nach dem Zeltaufbau ging ich dann mit unseren Wassersäcken zurück zum Hof (unsere Aufgaben sind seit Jahren klar definiert: Willi der Wassermann und Hans der Feuermann!). Zu Gast war gerade ein Herr, welcher gegenüber der Schlucht in Haus Nr. 273 (Cracu Teiului) wohnt, aber am Tag unserer Anwesenheit dort nicht vor Ort war. Dieser erkundigte sich sogleich ob uns dort auch eine gute Tuica angeboten wurde. Ich verneinte, betonte aber, dass wir sehr leckere Weintrauben gereicht bekamen. Das genügte dem Bauern von Nr. 273 nicht und so wurde ich sofort hier zu Tisch geladen. 

Nach ca. 8 Gläsern verabschiedete sich der Hausherr von Nr. 273, derweil Hans sich schon "Sorgen" machte und erschien. Wir bekamen frische Bienenwaben gereicht und erneut ein Gläschen Tuica. Nein, um mich brauchte sich niemand Sorgen zu machen, denn die Tiuca hat - wie zumeist im ganzen Banater Gebiet - kaum mehr als 35 % ... also ein wirklich solides Getränk für lang anhaltende Diskussionen :-) !!! ... Wir verabschiedeten uns zunächst, wurden aber erneut zum Abend auf eine gute Tuica eingeladen! ...

Aussichten gen West von unserem Zeltplatz auf den unteren Abschnitt der Cheile Prisacina. Rechts oben im Bild sieht man den Hof Nr. 273 ... Nach einer ausgiebigen Kaffeepause machten wir uns erneut auf den Weg, um einige schöne Aussichtspunkte über der Schlucht aufzusuchen. ...
Blick gen Nord auf Cheile Prisacina ... und wir wurden nachdenklich, machten wir doch hier einen Abschnitt aus, den man von der anderen Seite her nicht einsehen konnte. Wir hatten also jeweils von unten, sowie von oben her nur ein Drittel der Schlucht besucht?! Um gänzlich Klarheit zu schaffen, besuchten wir den Felsvorsprung links der Bildmitte. ...
... Blick gen Süd auf das untere Drittel der Schlucht. Deutlich zu sehen die bewaldete Rinne, über die wir nach unserer ersten Begehung aufgestiegen sind. Derweil hatten wir an verschiedenen Punkten der Schluchten Höhenmessungen vorgenommen. So beträgt die Höhe unseres jetzigen Zeltplatzes, wie auch jene gegenüber der Schlucht (obere Begrenzung) um die 700 Höhenmeter. Die Cerna nahe der Schlucht verläuft auf einer Höhe von ca. 280 m ... Gehen wir grob gesehen davon aus, dass im unteren Abschnitt die Prisacina auf einer Höhe von 300 Meter verläuft, dann ergibt sich hier eine Tiefe der Schlucht von ca. 400 Höhenmeter. 
Hier das uns noch unbekannte Terrain: Der mittlere Abschnitt der Cheile Prisacinei von einem Felsvorsprung aus 630 m Höhe. Die Gesamtlänge der Schlucht im Talverlauf beträgt grob geschätzt etwa 3,5 km. Laut Luftlinie beträgt die Ausdehnung des gesamten Areals ca. 2,7 x 0,9 km. Die unteren zwei Drittel der Schlucht verlaufen von Süd nach Nord, während das obere Drittel einen großen Bogen in westlicher Richtung einschlägt. Nach unseren Tagen um und in Cheile Prisacina ist es uns nur ansatzweise gelungen einen Überblick über die Schlucht zu bekommen. Eine Zeitangabe für eine Gesamtdurchschreitung der Schlucht (so überhaupt möglich) kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden. Aber wenn man davon ausgeht, dass es bis zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei weiterführende Infos im Web, als auch in touristischen Büchern gibt, ist unsere Ausbeute eine gute Ausgangsbasis für künftige Exkursionisten :-) ... 
Das hatten wir uns gewünscht! Nach dem Besuch einiger Aussichtspunkte über der Schlucht, suchten wir vor dem Sonnenuntergang ganz bewusst wieder unseren Zeltplatz auf, von dem aus wir auch schöne Ausblicke auf die schroffen Abhänge der Muntii Mehedinti hatten. Die rotglühenden Felswände zeigten sich - nach allem bisherigen Zweifel dann doch! Der ewige Nebel über den Bergspitzen hatte sich endgültig verzogen! Ein gutes Zeichen für die weiteren Tage, bei denen sich das Wetter so prächtig entwickelte, dass wir erneut über Vf. lui Stan in die Muntii Mehedinti einstiegen. ... Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte!
Hans bezeichnete diesen wunderschönen Ort als 120%-Zeltplatz. Ich auch, versprach ihm später aber noch einen 130%-Platz. ... Ob es dazu kam, ... das ist auch schon wieder eine andere Geschichte. Wer auf all diese anderen Geschichten neugierig geworden ist, der kann hoffen, sie auf dem nächsten Treffen der Rumänienfreunde erzählt zu bekommen! Das Treffen findet - wie all die Jahre zuvor - jeweils am Wochenende nach Ostern statt (Do.-So.). Und auch unser Treffpunkt wird natürlich wieder der Campingplatz am Lütsche-Stausee http://www.oberhofcamping.de/ im Thüringer Wald sein. Die aktuellen Infos zum Treffen gibt es ab dem 01. Januar 2015 unter 

http://www.karpatenwilli.com/bubrett.htm 

Friedolin - unser Held und Wegbegleiter! Als wir bei Motel Dumbrava nach Dobraia hinaufstiegen, gesellte sich dieser mittelgrosse Racker zu uns und ging fortan nicht mehr von unserer Seite! Friedolin war sogar zweimal unser Bergführer. Beim Abstieg von Priatra Galbene wollten wir direkt in einem weglosen Tal absteigen. Friedolin lief immer wieder mal gegenüber dem Tal bergan, kam aber wieder zurück, weil wir ihm nicht folgten. Wieder lief er bergan und bellte mehrmals - was er sonst nie tat! Wenig später merkten wir, dass hier ein Abstieg über steile Felsklippen unmöglich war. Fortan folgten wir Friedolin, der uns schliesslich zu einen kleinen Hirtenpfad und weiter hinunter nach Prisacina führte. 

Nächsten Tags bei unserer Tour in den oberen Abschnitt der Cheile Prisacinei, nach der ersten Umgehung über eine Felsklippe, wollten wir wieder in die Schlucht hinabsteigen. Friedolin lief vor uns plötzlich steil ab Richtung Tal. Uns schien dieser Abstieg nicht ideal genug. Wieder hörten wir nicht auf Friedolin. Wieder bellte er, wieder zeigte sich, dass es nicht weiter ging, wieder folgten wir Friedolin und kamen gut im Tal an. ... Mit Friedolin haben wir 5 Tage intensiv zusammengelebt und sogar das Schüsselchen mit ihm geteilt - aber das ist auch schon wieder eine ganz andere Geschichte :-) ! Beeindruckt hat uns auch, dass Patronita Maria beim Abendbrot gefragt hat ob unser Streuner schon was zu Essen bekommen hat. Ja ein wenig. Daraufhin hat Maria ohne nachzufragen unserem Friedolin ein Schüsselchen hingestellt. Wiedereinmal wird uns klar, dass ein Rumänien ohne Streunerhunde absolut undenkbar ist. Helden wie Friedolin braucht die Welt!