Das Ölschieferkraftwerk von Anina

 

Rumänien bedeutet für mich auch immer wieder unglaubliches zu entdecken und manchmal braucht es schon einige Anläufe sich für ein paar Steinhaufen mitten im Wald zu interessieren und dahinter eine unglaubliche Geschichte finden.

........auf dem Weg von Resita nach Anina

Ist man mit dem Auto ( mit der Bahn geht es auch, und zwar romantischer) zwischen dem Doppelstädtchen Anina/ Steierdorf und Oravita unterwegs, wundert man sich,  mitten im Wald riesige Betonmassen in Form von Wohnblocken oder Industrieanlagen zu sichten. Ich bin schon einige Male daran vorbei gefahren und habe mich immer mit der Auskunft, dass es sich hierbei um ein Ölschieferkraftwerk handelt zufrieden gegeben, obwohl ich von SOWAS noch nie etwas gehört hatte.

               

 Schornstein ist nicht wirklich schief, sondern nur schief fotografiert        

Dann fand ich in dem Büchlein "Das rumänische Banat" Reiseführer für Südwestrumänien (ISBN 3-85333-038-x) einen Artikel dazu und hatte während unserer Reise im Mai 2008 mit Karpatenwilli http://www.karpatenwilli.com  und Christian, die Gelegenheit dieses irrwitzige Bauwerk näher zu betrachten.

In dem o.g Buch fand ich auch die Geschichte dazu.

In den 70 iger Jahren, als auch in Rumänien der Treibstoff rationiert wurde, wollte sich das Ceausescuregime unabhängig von ausländischen Erdöl machen. So kam man auf die Idee, den im Banater Bergland vorhandenen Ölschiefer zu nutzen.

 

Zuerst wurde das Werk an einer anderen Stelle gebaut, als dann aber Herr und Frau Ceausescu, die sich gern als erste Wissenschaftler Rumäniens bezeichnen, fanden diese, dass die Lage ungünstig - weil zu weit entfernt von den Lagerstätten  des Schiefers sei. Der Bau wurde gestoppt und das neue Werk mitten auf der Hauptlagerstätte errichtet. Das Schiefer hat da eine Dicke von immerhin 180 m. Um das Werk nicht zu gefährden, durfte aber im Umkreis von 500 m aus Sicherheitsgründen nicht gesprengt werden, was zur Folge hatte, dass das Hauptlager nie abgebaut werden konnte.

Im Ölschiefer ist Erdöl enthalten, allerdings nur in geringen Mengen. Im Aninaer Ölschiefer sind zudem noch andere Stoffe enthalten, die während der Probeläufe die Brennkammer und die Schiefermühlen beschädigten. Es besteht ein überaus ungünstiges Verhältnis zwischen Brennmasse und Heizwert, so dass es bei der Produktion u einem riesigen Anfall von Asche kommt. Es sollten jährlich 15 Millionen Tonnen Ölschiefer verarbeitet werden. Dabei wären 13 Millionen Tonnen Asche angefallen. Allein an Flugasche, u.a. auch durch einen aus Zeitgründen verkürzten Schornstein, rechnete man mit 1 Million Tonnen Flugasche pro Jahr.

  

An den strengen  Blicken des Wächters vorbei schlichen sich Christian und ich in eine der verlassenen Werkshallen.......

 

.......... und fanden Schätze.

Da das Werk auf 700 m Höhe lag, war das die Bereitstellung von Wasser eines der größten Probleme, obwohl in den Tälern zahllose Bäche und Bächlein angestaut  ( mit schlimmen Folgen für die Flora und Fauna) und das Wasser bergauf gepumpt wurde.Das zeigte sich schon beim Probelauf anläßlich des XIV Parteitages der Rumänischen Kommunistischen Partei. Auch der geringe Heizwert des Ölschiefers bereitete die Wissenschaftlern Kopfschmerzen und die Lösungsversuche, ließen z.B. die Gasversorgung der Großstädte Arad und Temeswar zusammen brechen.

Der Generator war für 33o MW projektiert, schaffte aber nie mehr als 125 MW - in der Regel aber nur 75 MW, die für die Eigenversorgung des Kraftwerkes ( Mühlen und Pumpen) benötigt wurden.

 Für den Bau des Kraftwerkes waren zeitweise 14.00 0 Menschen eingestellt, für die Wohnblocksiedlungen errichtete. Ein großer Teil der deutschen Siedlung Steierdorf wurde abgerissen um Platz für den Ölschieferabbau zu schaffen.

Gleich nach der Wende wurde das Werk abgeschaltet. Geblieben sind die Schäden.

Während unseres Besuchs war eine japanische Firma damit beschäftigt, das Werk mit den riesigen Stahlmengen zurückzubauen.

 

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