Unterwegs zwischen Anina und Oravita mit der Märchenbahn
Quelle der technischen Informationen: http://www.banater-aktualitaet.de/heim21.htm

Der Bahnhof von Anina, auf dem täglich 2 Züge ankommen und genau so viele abfahren.
Unsere Herbstrundreise durch Rumänien im Oktober 2006 endete im Banat, einem Teil Rumäniens der sich im Südwesten des Landes befindet und dessen Landschaften durch liebliche Gebirge gekennzeichnet sind. In dieser Gegend gibt es viele Bodenschätze zum Beispiel auch Kohle, die ca. 1790 entdeckt wurde. Da die Gegenden jedoch sehr abgelegen und schwer zugänglich war, mußte eine Transportmöglichkeit gefunden werde und so beschloß man, eine Eisenbahnstecke zu bauen. Der Bau begann 1846, mußte aber auf Grund einer Revolution und technischer Schwierigkeiten unterbrochen werden. 1854 konnte die ersten Kohle zwischen Lisava und Oravita transportiert werden, im Jahre 1856 startete auch der Personenverkehr. Der Transport der Kohle von Lisava nach Anina erfolgte zunächst mittels Pferdebahnen, wurde dann aber bis 1863 auf für den Eisenbahnverkehr gebaut.

Wir nahmen den 10 Uhrzug nach Oravita. Luftlinie ist das Städtchen ca. 20 km von Anina entfernt.

Da wir zu zeitig am Bahnhof waren, hatten wir Gelegenheit uns ein bißchen um zuschauen.
Gerade waren umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen im Gange.


Dann kam Bewegung in die Sache. " Unsere Lock " kam und wurde an die Wagons gekoppelt.
Aus dem Türschild konnten wir eindeutig entnehmen, dass wir im Begriff waren, in den richtigen Zug einzusteigen.

Ein Pfiff, ein Wink - der flotte Schaffner sprang auf und unsere 2 stündige Fahrt konnte ganz pünktlich auf die Minute um 10 Uhr beginnen.

Der Bahnhof von Anina befindet sich mitten in der Stadt und so bekamen wir noch einige Eindrücke.

Das ist die Zufahrt zu einem stillgelegten Kohlebergwerk. Leider sind unterdessen fast alle Bergwerke um Anina geschlossen,
was zu einer hohen Arbeitslosigkeit und dem Wegzug vieler Menschen führt.

Zwischen Anina und unserem Zielort Oravita besteht ein Höhenunterschied von fast 300 m.
Die Strecke führt durch sehr unwegsames Gebiet und so mußten 134 Kurven und 14 Tunnel gebaut werden.
Für einige Streckenabschnitte ( insgesamt 21117 m) mußte die Trasse in die Felsen gegraben werden
und zur Absturzsicherung wurden auf einer Strecke von insgesamt 9946 m Stützmauern gebaut.

Hier gab es bestimmt auch mal ein kleines hübsches Bahnhofsgebäude.
Leider ist - wie an vielen anderen Bahnhöfen nichts mehr davon zu sehen. Die Einheimischen wissen auch ohne jeglichen Hinweis wo der Zug hält.

Nach den märchenhaften Laubwäldern durchfahren wir karges Land. Immer wieder erblicken wir in der Nähe oder Ferne verlassene Industrieanlagen.

Dann kommt der Kontrolleur. Wir sind die einzigen die eine Fahrkarte besitzen und damit zählende Gäste.
Die anderen 6 Leute im Abteil drücken dem Schaffner ein paar Lei in die Hand. Oft habe ich gehört, dass die Strecke wegen mangelnder Inanspruchnahme geschlossen werden soll.

In diesen Mann habe ich mich sofort verliebt und als er mich sah..........ich glaube - ich hätte Chancen!

Und dieser Fahrgast wollte mir meine Kamera abkaufen. Aber 150 Euro waren ihm dann doch zuviel!

Neben mir wurden die neusten Neuigkeiten aus Anina besprochen. Es müssen einige ungeheuerliche Dinge passiert sein.
Der Gesprächstoff reichte für die gesamten 2 Stunden Fahrt.
P.s wer entdeckt das kunstvoll entsorgte Bonbonpapier?

Es gab auch einige Bahnhöfe, die sehr gepflegt und mit einem Bahnangestellten besetzt waren.
Diese müssen bei Halt oder Durchfahrt eines Zuges ( auch bei großen Strecken) mit Uniform vor dem Bahnhofgebäude stehen.

Lisava- über die Hälfte ist geschafft!

Immer wieder fahren wir an verlassenen Bahnhöfen und Industrieruinen vorbei.

Das Viadukt über den Bach Jitin ist mit 131 m das längste der Strecke. Gestützt wird es von 6 steinernen Bögen.
Das besondere ist, dass der Zug aus einen Tunnel kommend über die Brücke gleich in den nächsten Tunnel fährt.
Dabei sind an beiden Enden des Viadukts Kurven mit dem kleinst möglichen Radius ( 114m) zu fahren.

Nach 2 Stunden fahren wir nach Oravita ein.

Hier haben wir 2 Stunden Aufenthalt und Gelegenheit uns umzusehen.

Aha, das ist also gar nicht das Ende der Welt. Hier gibt es eine weitere Bahnstrecke- Richtung Norden.


Wir nutzen den Aufenthalt um uns auf den in unmittelbarer Nähe des Bahnhof befindlichen Markt mit Speck und Walnüssen für zu Hause einzudecken.
Hier - in einem der angrenzenden Imbiß ( Treppe vom Markt runter gleich links) gibt es übrigens ganz besonders leckere Tschorba de Burta.

Zurück auf dem Bahnhof wollten wir uns Fahrscheine kaufen, aber weit und breit konnten wir niemanden finden, der das tun wollte.

Doch dann fand sich eine akzeptable Erklärung. Die Bahnangestellten waren gerade mit dem Fahrplanwechsel beschäftigt. Wer die ganze Geschichte erfahren will sollte HIER weiterlesen.
http://rumaenienadventskalender.de/06/pages/stern_15pag.html
Pünktlich auf die Minute fuhr auch unser " Rückzug" los.

Begleitet wurden wir ein Stück von Zigeunerkindern, die ganz schön wagemutig sein.
( Bitte nicht nachmachen!!!!!!!!!!!!!!!!)
Mein Traum ist nun, diese Strecke einmal zu Fuß zu bewältigen und den Opa mit der Fellmütze wieder zu finden!